Die Zukunft des Geldes

Verbraucherbildung

AEH-Multiplikatorinnenseminar in Pappenheim

Immer mehr Menschen greifen beim Bezahlen zur Karte, doch vielen Menschen ist das Münz- und Scheingeld immer noch lieb und teuer. Die Abschaf­fung des Bargelds hat in einigen europäischen Ländern schon begonnen. Wird zukünftig das Handy der Geld­beutel? Ein Multiplikatorinnenseminar in der Verbrau­cherbildung reflektierte über das Geld als Bestandteil unserer Kultur und unseren Umgang damit im Alltag. Gleichzeitig wurden die neuen Technologien des Be­zahlens aufgezeigt.

Christa Gampl, 2. Vorsitzende des AEH-Förderkreises, mit ihrem Vorbereitungsteam und Gabriele Siegel, Bildungsreferentin der Evangelischen Bildungs- und Tagungsstätte Pappenheim, zeichneten verantwortlich für ein gelungenes Seminar.

Nach der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde berich­tete Lydia Klein, Verwaltungsratsvorsitzende der Ver­braucherzentrale Bayern und Lehrkraft, über das The­ma „Meine Haushaltsfinanzen voll im Griff“. Immer mehr Menschen kommen in die Verschuldung, ver­leitet durch viele Lockangebote, Ratenzahlung, Leben auf Pump, niedrige Zinsen. Auch persönliche Schick­sale können zur Überschuldung führen. Das A und O einer Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben im Haushalt ist die Haushaltsbuchführung. Dies wurde praktisch erläutert. Um von plötzlich nötigen Zahlun­gen nicht überfordert zu sein, wird geraten, mindes­tens drei Nettogehälter zur Verfügung zu haben.

Dr. Tatjana Rosendorfer referierte über die Armuts­bekämpfung durch Haushaltsbudgetberatung. Eine Kooperation des Sozialreferates der Stadt München und des Vereins für Fraueninteressen für verschuldete Familien führte zum Aufbau einer Fachberatungs­stelle mit hauptamtlichen Haushaltsbudgetberaterin­nen. Ein ähnliches neues Projekt dieses Vereins ist das FIT-FinanzTraining in Kooperation mit der Schuldner- und Insolvenzberatung in München. Dort beziehen 30 Prozent aller Alleinerziehenden Grundsicherung für Arbeitssuchende. Zurzeit betreuen 30 Helferinnen 100 Haushalte in München. Diese Einrichtungen hel­fen, soziale Schieflagen zu korrigieren, damit Betrof­fene mit ihren Kindern nach der Entschuldung wieder zu einer Lebensperspektive finden können.

Am Abend konnten sich die Teilnehmerinnen, didak­tisch unterstützt, ihre Erlebnisse mit Geld unterein­ander mitteilen. Eine Teilnehmerin verteilte über­raschend „Millionen“, nämlich Inflationsgeld aus den 1920er Jahren.

Am nächsten Morgen informierte Sigrid Lewe-Esch zum Thema „Bares ist Wahres“. Sie ist Mitglied im Bundesvorstand des DEF und stellvertretende Vorsit­zende des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Ver­braucherschutz. Sie war nicht nur Referentin, sondern auch Teilnehmerin des gesamten Seminars und konnte aufgrund ihrer reichen Erfahrung viele Infor­mationen weitergeben.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das Bargeld in Deutschland immer noch das belieb­teste Zahlungsmittel. Elektronische Einkaufsmöglich­keiten sind bei uns noch in der Erprobung und kommen nur schleppend voran. Viel weiter in der Entwicklung der bargeldlosen Bezahlung sind in Europa Schweden, Großbritannien und die Nieder­lande. Gleichzeitig gibt es dort noch viele ungelöste Probleme, und manche Entscheidungen müssen sogar wieder rückgängig gemacht werden. Zum Beispiel sind die Geldkarten der Touristen nicht kompatibel mit den Geldkarten der Schweden, die dort eingeführt wurden. Ein großes Hemmnis für das bargeldlose Be­zahlen im Tourismus. Auch ältere Menschen haben Probleme, gänzlich bargeldlos zu zahlen.

In Finnland, Belgien, Niederlanden, Irland und Italien hat sich größtenteils die Abschaffung der 1 und 2 Cent Münzen durchgesetzt. Außerdem steht EU-weit der 500 Euro Schein vor der Abschaffung.

Katja Bröckl-Bergner, Expertin für Digitale Medien­bildung, war dann mit ihrem Beitrag „Ersetzt ein Smartphone bald auch unser Portemonnaie?“ das Gegenstück zu den vorangegangenen Ausführungen. Sie schilderte, wie mit verschiedenen Apps das Be­zahlen per Smartphone bereits jetzt möglich ist. Bank­schalter und -automaten schließen immer mehr. Die Zahl der Menschen, die ein Smartphone besitzen, steigt und gerade junge Menschen sind dieser Zah­lungsweise gegenüber sehr aufgeschlossen. Verkehrs­betriebe werben massiv mit der Bezahlung per Smart­phone. Verschiedene Karten sind sehr verbreitet, den­noch behält das Bargeld seinen hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Das Bezahlen mit dem Smartphone nimmt noch geringen Raum ein.

Am Nachmittag ging es um die internationalen Zusammenhänge. Ingrid Ittner-Wolkersdorfer refe­rierte über „Die Hintergründe der Preispolitik bei fair erzeugten und gehandelten Produkten“. Zum Einstieg brachte sie ein interessantes Beispiel aus der Preispolitik von Markensportschuhen, die im Ausland erzeugt wurden. Die Marke (Profit, Forschung, Wer­bung) erhält 33 Prozent vom Gesamtpreis, Einzel­handel 30 Prozent und der Staat 19 Prozent. Her­stellungskosten sind 13 Prozent, Transport und Steu­ern 4,5 Prozent und 0,5 Prozent nur bleiben als Lohn für die Menschen, die den Schuh eigentlich erzeugen. Wie sieht die Preispolitik nun bei fairem Kaffee aus? GEPA als der größte europäische Importeur fair ge­handelter Lebensmittel und Handwerksprodukte steht dafür, dass Kriterien des fairen Handels eingehalten werden. Kaffee wird gerechnet: Import 8 Prozent, Steuer 19 Prozent, Groß- bzw. Einzelhandel 22 Pro­zent, GEPA 26 Prozent, Lohnkosten für den Erzeuger 25 Prozent. Es bleibt also immerhin ein Viertel für die Kleinbauern, die ausschließlichen Lieferanten für fair erzeugten und gehandelten Kaffee. Ittner-Wolkers­dorfer rief die Verbraucherinnen zu überlegtem Ein­kaufen auf und zum Genießen einer guten Tasse fairen Kaffees.

Im Anschluss daran zeigte Dr. Bettina Marquis, Bildungsreferentin des DEF Bayern, dass Afrika teil­weise schon Vorreiter im Bezahlen mit dem Handy ist. Aus dem Übermitteln von Handycodes für Pre­paidkarten von Afrikanern, die in Europa leben und Arbeit haben (gemessen in Sprechzeit, „airtime“), ent­wickelte sich ein Handel in Afrika, bei dem die Codes wie eine Währung funktionieren. Das Bankenwesen ist in vielen afrikanischen Ländern nur in städtischen Stützpunkten etabliert. Auf dem Land gibt es oft keine Bankeninfrastruktur, die Wege sind weit und manch­mal sogar gefährlich. Da wurden die Handys zur Geld­börse und dem Bankkonto. Es entstanden kleine Geschäfte, in denen Überweisungen vorgenommen werden können. In einer weiteren Stufe wurden auf die SIM-Cards der Handys von angemeldeten Nutze­rinnen und Nutzern von kleinen spezialisierten Händ­lern Funktionen eines elektronischen Bankkontos aufgebracht. Fertig ist die elektronische Geldbörse! Das Modell, ein afrikanisches Joint Venture mit einer großen europäischen Telekommunikationsgesellschaft, war hoch erfolgreich. Andere westliche Anbieter, Tele­kommunikationsfirmen und Banken drängen auf diesen bislang nicht staatlich regulierten Markt. Auch sie wollen beim Boom mitverdienen, bevor etwa eine Blase platzen könnte. Afrikanische Kreativität hat in puncto Onlinebezahlung hiermit der ganzen Welt neue Wege eröffnet.

Im Abendprogramm nahm Dr. Bettina Marquis die Teilnehmerinnen schließlich mit auf eine Reise durch die europäische Münzgeschichte. Ihr Ziel war, den Teilnehmerinnen das Bargeld als einen Bestandteil der eigenen Kultur zu verdeutlichen. Vielleicht sind in der über zweitausendjährigen Münzgeschichte die Wurzeln unseres Vertrauens in das staatlich garan­tierte Bargeld zu sehen, in Währungen, die staatlich garantiert sind und als Zeichen dessen auch hoheit­liche Symbole verwenden. Es sind dies besonders Herrscherporträts, aber auch Zeichen wie der römi­sche kaiserliche Adler oder das Eichenlaub.

Diese schmücken gemeinsam mit dem Brandenburger Tor als nationalem Symbol unsere Münzen bis heute. Die Bundesrepublik Deutschland gibt zudem Sonder­münzen zur Erinnerung an identitätsstiftende kultu­relle Leistungen, Personen und Ereignisse heraus. 2017 waren das eine 50- und eine 100-Euro-Münze zu Martin Luther und dem Jubiläum 500 Jahre Reforma­tion. Das Abschlussbild war jedoch eine imaginäre Münze, die nie geprägt werden wird: Bitcoin, als Kupfer- oder Bronzemünze dargestellt, und das B wie das L des britischen Pfunds, das S des US-Dollars und das E des Euros zweifach gestrichen. Gleichzeitig stellte die Münze eine Platine oder einen Chip dar, denn es handelt sich um eine virtuelle Währung, die nur auf Rechnern existiert. Sie wird gerade dermaßen gehypet, dass sie im Wert rasch steigt. Sie ist aber in Gefahr, durch die Spekulation zu platzen, denn die Sicherheit, die das münzenähnlich gestaltete Design suggerieren soll, gibt es eben gerade nicht. Es ist keine Münze, sondern nur eine rein elektronische Währung, und keine Gemeinschaft garantiert ihren Wert und kon­trolliert den verantwortungsvollen Umgang damit.